KultBau Archive - gambrinus jazz plus

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Marcel Lüscher Quartett

Klar konturierte Melancholie, feine Reibung und ein Quartett mit wachen Reflexen

JAZZ | Die Musik lebt von melodischer Zugkraft, sorgfältiger Klanggestaltung und einem Zusammenspiel, das Spannungen nicht auflöst, bevor sie wirken. Saxofon, Klarinette, Bassklarinette, Klavier, Bass und Schlagzeug formen einen Sound, der eher sucht als glänzt: persönliche Erzählungen, schwebende Flächen, rhythmische Neuverortungen und Momente, in denen sich Dissonanzen in weite Bögen öffnen. «Make Things Happen» klingt optimistischer, als sein melancholischer Grundton vermuten lässt.

Besetzung
Marcel Lüscher — Saxofon, Klarinette, Bassklarinette
Thomas Lüscher — Klavier
Björn Meyer — Bass
Kaspar Rast — Schlagzeug

«Entstanden ist ein spannendes Album persönlicher Erzählungen, das die Vertrautheit der Musiker untereinander zeigt.» (Jazz thing)
«Die Kompositionen auf dem neuen Album «Make Things Happen» verbinden melodisch-melancholische Stimmungen mit einem quicklebendigen Interplay.» (Jazz’n’more)
«Ein aussergewöhnliches Album, wir sind begeistert!» (Jazz-fun.de)

Das Marcel Lüscher Quartett ist eine Band, die nicht auf Muskelspiel setzt. Die Musik nimmt sich Zeit für Klang, für Linien und für kleine Verschiebungen, die im Zusammenspiel plötzlich Gewicht bekommen. Unit Records beschreibt «Make Things Happen» als ein eher melancholisch getuntes Album mit skandinavisch anmutender Ästhetik. Entscheidend ist dabei nicht die geografische Zuschreibung, sondern die Haltung: Virtuosität ist vorhanden, wird aber nicht ausgestellt.

Marcel Lüscher spielt Saxofon, Klarinette und Bassklarinette. Diese Holzbläserpalette gibt dem Quartett eine eigene Farbe. Der Ton kann weich, rau, offen, fragend oder kantig wirken; oft scheint er eher aus der Musik herauszuwachsen, als sich vor sie zu stellen. Thomas Lüscher öffnet am Klavier Räume, Kaspar Rast reagiert am Schlagzeug mit der Erfahrung eines Musikers, der rhythmische Systeme nicht bloss begleitet, sondern mitformt. Björn Meyer bringt am Bass eine Stimme ein, die melodisch denken kann und dennoch Druck aus der Tiefe entwickelt.

Moods nannte die vier Musiker «aussergewöhnliche Zuhörer mit überwachen Reflexen» und «elastische Provokateure». Das trifft den Konzertcharakter gut. Diese Band lebt vom gemeinsamen Atmen, von Reibung und von der Fähigkeit, Spannung unverschnörkelt zu halten. In den Stücken geht es nicht um lange solistische Ausflüge, sondern um eine Dramaturgie aus Farbe, Bewegung und Erinnerung. Auch ein Stück wie «Old Friends», das auf Simon & Garfunkel verweist, fügt sich nicht als Nostalgie ein, sondern als weiterer Tonfall in ein Album persönlicher Erzählungen.

Die Besetzung hat zudem eine eigene biografische Nähe: Marcel und Thomas Lüscher sind Brüder; Björn Meyer und Kaspar Rast verbindet eine lange gemeinsame Arbeit in verschiedenen Formationen, unter anderem im Umfeld von Nik Bärtsch und Asita Hamidi. Daraus entsteht kein routiniertes Abspulen, sondern ein Quartettklang, in dem Vertrauen hörbar wird. «Make Things Happen» ist deshalb weniger Aufforderung zur grossen Geste als Einladung, aufmerksam zu hören: auf Melodien, die sich erst allmählich zeigen, auf Rhythmen, die kurz stolpern, und auf einen Sound, der im besten Sinn gelassen bleibt.

Marcel Lüscher ist Saxofonist, Klarinettist, Bassklarinettist und Komponist. Er wuchs im Aargau in einer Musikerfamilie auf; die Eltern führten ein Musikhaus und eine private Musikschule. Er studierte an der Musikhochschule Basel und arbeitete unter anderem mit Stephan Eicher, Pepe Lienhard, Endo Anaconda und Max Lässer.

Thomas Lüscher ist Pianist und Komponist. Er wuchs ebenfalls in einem musikalischen Elternhaus auf, spielte früh Mundharmonika, später Akkordeon und Klavier, und studierte klassische Musik an der Musikhochschule Basel.

Björn Meyer ist Bassist und Komponist. Der in Schweden geborene und seit vielen Jahren in der Schweiz lebende Musiker arbeitete unter anderem mit Anouar Brahem, Nik Bärtsch, Bazar Blå und eigenen Projekten. Seine Soloarbeiten erschienen auch bei ECM.

Kaspar Rast ist Schlagzeuger und Perkussionist aus Zürich. Er ist seit vielen Jahren Teil von Nik Bärtsch’s Ronin, arbeitete in zahlreichen Formationen und entwickelte eine präzise, klangbewusste Sprache am Schlagzeug.

www.marcelluescher.com

Danny Grissett Trio

Klarer Anschlag, federnder Puls und Stücke mit ruhiger Zugkraft

JAZZ | Das aktuelle Programm baut auf «Travelogue» auf, einem Album aus musikalischen Reisebildern, Reflexion und moderner Jazzsprache. Klavier, Bass und Schlagzeug setzen nicht auf Überwältigung, sondern auf Linienführung, harmonische Farbe und präzises Zusammenspiel. Die Musik bleibt elegant, aber nie glatt: Themen werden entwickelt, Rhythmen verschoben, Räume offen gehalten. Daraus entsteht ein Trio-Sound mit Wärme, Formbewusstsein und innerer Bewegung.

Besetzung
Danny Grissett — Klavier
Josh Ginsburg — Bass
Francesco Ciniglio — Schlagzeug

«Er improvisiert fliessend und melodisch, aber auch sorgfältig und verzichtet auf Blitz und Zierrat.» (All About Jazz)
«Urban, detailliert und harmonisch reichhaltige Triomusik.» (Jazz Journal)
«Dieser traditionelle, aber unwiderstehlich zeitgeistige Ansatz, die erfrischend offene Kommunikation sowie seine Art, mit der er Themen in klingende Bilder verwandelt, sind grandios.» (Jazz thing)

Danny Grissett gehört zu den Pianisten, die eine lange Geschichte am Instrument hörbar machen, ohne sie auszustellen. Sein Spiel wirkt kontrolliert, aber nicht kühl; melodisch klar, doch rhythmisch beweglich. Die Stücke haben Kontur. Sie bauen keine Schauplätze für Virtuosität, sondern kleine Formen, in denen sich Motive, Farben und Übergänge langsam verschieben.

Mit «Travelogue» knüpft Grissett an seine Trioarbeit an und öffnet sie zugleich für ein neues Kapitel. Die Aufnahme entstand mit Vicente Archer am Bass und Bill Stewart am Schlagzeug; auf der aktuellen Tour wird das Programm mit Josh Ginsburg und Francesco Ciniglio gespielt. Entscheidend ist nicht der Personalwechsel als Nachricht, sondern die Haltung: Das Trio bleibt eine Form des Gesprächs. Der Bass antwortet nicht nur, er kommentiert. Das Schlagzeug treibt nicht bloss, es färbt und lenkt. Das Klavier hält die Themen zusammen, ohne sie festzunageln.

Die Stücke von «Travelogue» tragen Titel wie «The Long Way Home», «Wonder Wander», «The People in the City» oder «Spin Cycle». Sie erzählen nicht illustrativ, eher in Bewegungen: Ankommen, Weitergehen, kurze Halte, neue Blickwinkel. All About Jazz hörte auf dem Album «evocative themes», unterschiedliche Songformen und einen tänzerischen Zugang zur Tastatur. The Jazz Word betont die Klarheit der Melodien, farbige Harmonien und eine strukturelle Anlage, in der die Stücke fast wie kleine Suiten wirken.

Grissett stammt aus Los Angeles, wurde in New York zu einem vielgefragten Sideman und lebt heute in Wien. Mehr als fünfzehn Jahre arbeitete er mit Tom Harrell; daneben spielte er unter anderem mit Vincent Herring, Nicholas Payton, Jeremy Pelt, Benny Golson, Russell Malone und Vanessa Rubin. Diese Biografie erklärt die Souveränität, aber sie muss im Konzert nicht erzählt werden. Man hört sie in der Ökonomie der Mittel: kein Überreden, kein Forcieren, sondern ein Piano-Trio, das dem Material vertraut und daraus eine konzentrierte Gegenwart baut.

www.dannygrissett.com

Christoph Irniger Pilgrim

Ein Quintett, das offene Formen, dichte Farben und kollektive Dramaturgie schärft

JAZZ | Die Musik des Quintetts lebt von Mehrdeutigkeit, beweglichen Formen und einem Kollektiv, das Komposition nicht als starres Gerüst behandelt. Tenorsaxophon, Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug schaffen einen dichten Rundum-Sound, der freie Improvisation und notiertes Material in eine flexible Dramaturgie bringt. Mit «Ghost Cat», dem fünften Album auf Intakt Records, markierte die Band ihr 10-jähriges Bestehen; «Human Intelligence» dokumentiert die aktuelle Live-Energie.

Besetzung
Christoph Irniger — Tenorsaxophon
Stefan Aeby — Klavier
Dave Gisler — Gitarre
Raffaele Bossard — Bass
Michael Stulz — Schlagzeug

««Ghost Cat» ist mehr als nur Euro-Jazz. Es ist Prog-Rock, Weltmusik, Folk, stellenweise Ambient und an anderen Stellen Avantgarde.» (Goldmine Magazine)
«Das Quintett eines einheimischen jungen Saxofonstars im Aufstieg.» (Jazzwise Magazine)
«Atemberaubende Saxofon-Soli und starkes, intensives Zusammenspiel. Alles mischt sich zu einem farbenreichen Sound, der tief berührt und lange nachwirken wird.» (Thüringische Landeszeitung)

Christoph Irniger Pilgrim ist über Jahre zu einem der profilierten Schweizer Ensembles des europäischen Gegenwartsjazz geworden. Die Band arbeitet mit notierten Passagen, freier Improvisation und offenen Zonen, in denen Entscheidungen spontan fallen. Das ist keine Unschärfe, sondern Methode: Mehrdeutigkeit wird zum Werkzeug, Form bleibt beweglich, der Klang kann sich jederzeit verschieben.

Zum 10-jährigen Bestehen erschien mit «Ghost Cat» das fünfte Album des Quintetts auf Intakt Records. Die Musik bündelt, was diese Formation auszeichnet: rätselhafte Selbstreflexion, eruptive Energie, dichte Texturen und ein Sound, der sich keiner einfachen Kategorie fügt. Goldmine hörte darin nicht bloss Euro-Jazz, sondern auch Prog-Rock, Folk, Ambient, Weltmusik und Avantgarde. Diese Begriffe erklären die Musik nicht abschliessend, sie zeigen aber, wie weit Pilgrim das Vokabular des klassischen Jazzquintetts öffnet.

Im Zentrum steht ein eingespieltes Kollektiv. Das Tenorsaxophon setzt Linien, sucht Reibung, verdichtet Themen. Das Klavier bringt harmonische Räume und klare Akzente, die Gitarre rauere Farben und elektrische Spannung. Bass und Schlagzeug halten die Musik beweglich, ohne sie festzuzurren. So entstehen Stücke, die nicht einfach von Thema zu Solo zu Thema führen, sondern eine eigene Dramaturgie entwickeln: Umwege, Verdichtungen, plötzliche Ausbrüche, ruhige Passagen mit Nachdruck.

Auch «Human Intelligence», die jüngere Liveaufnahme auf Intakt Records, zeigt diese Arbeitsweise im Konzertmoment. Was auf Tonträgern als fein ausbalancierte Architektur hörbar wird, erhält auf der Bühne eine andere Schärfe. Die Musiker reagieren hellwach aufeinander, lassen Räume stehen und treiben die Musik wieder an, wenn sie zu kippen beginnt. Für ein Publikum liegt genau darin der Reiz: Pilgrim spielt keine polierte Version seiner Alben, sondern verhandelt die Stücke im Raum neu.

www.christophirniger.com

Colin Vallon Trio

Feine Reibung, weiter Raum und ein gemeinsamer Atem am Rand der Konvention

JAZZ | Die Musik des Trios lebt von feinen Reaktionen, von offenen Räumen, von melodischen Keimen und rhythmischen Verschiebungen. Auf «Samares», der jüngsten ECM-Veröffentlichung, verdichtet sich dieser Ansatz zu einem kammermusikalischen Jazz, der leise beginnen kann und dennoch Druck entwickelt. Klavier, Kontrabass und Schlagzeug agieren nicht in festen Rollen, sondern als bewegliches Geflecht aus Klang, Puls und Stille.

Besetzung
Colin Vallon — Klavier
Patrice Moret — Kontrabass
Julian Sartorius — Schlagzeug

«Das ist hochgradig originelle Musik; faszinierend und mit wiederholtem Hören immer interessanter.» (DownBeat)
«»Samares» formt und verwandelt sich mit erstaunlicher Flüssigkeit und Musikalität.» (All About Jazz)
«Die Stärke und zurückhaltende Kraft dieses Trios ist offensichtlich.» (The Guardian)

Das Colin Vallon Trio gehört zu jenen europäischen Klavierformationen, die leise beginnen können, ohne klein zu werden. Die Musik setzt selten auf den schnellen Effekt. Sie arbeitet mit Geduld, mit kleinen Verschiebungen, mit Anschlägen, die lange nachhallen, und mit einer Rhythmik, die sich nicht aufdrängt, aber den Raum verändert. Moods beschreibt den Klang als modernen Jazz mit sphärischen bis sperrigen Klanglandschaften; genau diese Spannung prägt die Konzerte.

Colin Vallon hat das Trioformat seit 1999 immer wieder neu befragt. In der heutigen Besetzung mit Patrice Moret und Julian Sartorius ist daraus eine sehr eigene Gruppensprache geworden. Das Klavier führt nicht einfach, der Bass trägt nicht bloss, das Schlagzeug markiert keine bequeme Spur. Die drei Instrumente reagieren aufeinander, legen Schichten frei, reiben sich an repetitiven Figuren und lassen Pausen stehen. Vieles wirkt kammermusikalisch, doch der Puls bleibt wach.

«Samares», die jüngste ECM-Arbeit des Trios, macht diese Entwicklung hörbar. Die Stücke nehmen Motive aus Natur, Bewegung und Erinnerung auf; die Musik bleibt offen genug, um live weiterzuatmen. ECM spricht von einem eng verschweissten Jazztrio, das sich auf genaues Zuhören und Reagieren konzentriert. Moods nennt geräuschhafte Elemente, bizarre Klangkombinationen und irritierende Rhythmen, ohne dass der Sound seine Zugänglichkeit verliere.

Vallon wurde 2016 mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet und 2017 mit dem «Prix de la Relève du Canton de Vaud». Diese Anerkennung passt zu einer Laufbahn, die nie auf Virtuosität als Schauwert reduziert war. Wichtiger ist die Art, wie er den Ton vorbereitet, wie Melodien entstehen, stocken, sich neu ausrichten. Mit Morets warmem, beweglichem Bass und Sartorius’ präziser, oft fein texturierter Perkussion entsteht eine Musik, die Konzentration verlangt und dafür eine seltene Tiefe öffnet.

www.colinvallon.com

Gilbert Paeffgen Trio

Schwebende Ruhe, feine Mechanik und ein Klangbild ausserhalb gängiger Muster

JAZZ | Seit 2001 arbeitet das Schweizer Klaviertrio an einer eigenen Nische: Klavier, Bass, Schlagzeug und Hackbrett rücken den «courant normal» des Jazzklaviertrios aus der Spur. Die sechste CD «Der Mann auf dem Trampolin» erschien im Mai 2025; aufgenommen wurde sie in La Chartreuse de La Lance in Concise. Komposition, Arrangement und Produktion liegen beim Bandleader.

Besetzung
Gilbert Paeffgen — Schlagzeug, Hackbrett, Komposition
Claude Meier — Bass, Kontrabass
Fabian M. Mueller — Klavier

«Sie kreieren auf dieser CD immer wieder eine Art schwebelosen Sound — losgelöst von allem, aber doch voller satter Farben.» (Klangfenster DRS 2, Cecile Olshausen)
«Jazz auf dem Hackbrett – kann das gutgehen? Es kann, wie der vielseitige Musiker Gilbert Paeffgen nicht zum ersten Mal zeigt.» (NZZ am Sonntag, Manfred Pabst)
«Dieses Trio schöpft aus allen Schubladen und wirkt dabei spielversessen und kompakt.» (Jazz thing, Uli Lemke)

Das Gilbert Paeffgen Trio ist seiner Besetzung nach ein Piano-Trio. Klanglich führt es dieses Format aber an einen Ort, an dem die vertrauten Rollen nicht mehr fest verteilt sind. Der Grund liegt beim Instrumentarium: Neben Schlagzeug spielt der Bandleader Hackbrett, und viele Stücke entstehen auf diesem Zweitinstrument. Dadurch erhalten die Kompositionen eine helle, nachhallende Farbe, die mit dem Klavier nicht konkurriert, sondern eine eigene Architektur öffnet.

Die Formation besteht seit 2001. Nach 25 Jahren erschien mit «Der Mann auf dem Trampolin» die sechste CD. Der Titel geht auf den Besuch einer Aufführung eines bekannten Trampolinkünstlers zurück. Die Idee dahinter: Leichtigkeit, Schwere, Einfachheit, Komplexität, Fokus, Loslassen und Fallen geraten in einen Zustand der Schwebe. Für den Musiker war darin eine Parallele zu seinen beiden Instrumenten erkennbar: Hackbrett und Schlagzeug bringen unterschiedliche klangliche Zustände in eine gemeinsame Form.

Die aktuelle Aufnahme umfasst zehn Stücke, darunter «Glockenship», «Glück», «So So Zäuerli», «African Flower», «Der Mann auf dem Trampolin» und «Golden Hour». Neben eigenen Kompositionen stehen Bearbeitungen von Noldi Alder und Duke Ellington. Eingespielt wurde das Material vor und während eines Konzerts in «La Chartreuse de La Lance» in Concise. Die Aufnahme, der Schnitt, Mix und das Mastering stammen von Blaise Favre.

Fabian M. Mueller am Klavier und Claude Meier am Bass sind dabei keine Begleiter im engeren Sinn. Die Stücke leben vom gemeinsamen Abwägen, vom sparsamen Setzen der Töne und von rhythmischen Verschiebungen, die nie bloss Effekt bleiben. Kritiken sprechen von schwebelosem Sound, repetitiver Magie, poetischer Leichtigkeit und einer Musik, die sich keiner klaren Schublade überlässt. Genau daraus entsteht die besondere Spannung dieser Besetzung: nicht laut, nicht demonstrativ, aber mit einer präzisen Handschrift.


gilbertpaeffgentrio.bandcamp.com

www.gilbertpaeffgen.com

«St. Galler Jazzspitzen»: Giacopuzzi – Zucca – Bötschi – Gisler (Zusatzkonzert)

«St. Galler Jazzspitzen» – Carte Blanche für Reto Giacopuzzi; Konzert 1: Ausbruch aus vertrauten Grenzen

JAZZ | Dieses Quartett präsentiert Jazz in einer ungewöhnlichen akustischen Form. Sein Repertoire reicht von Eigenkompositionen, klassischen Standards, über Pop-Ikonen bis hin zu Songs der 90er-Jahre – stets neu arrangiert und mit feiner jazziger Note versehen. In den unkonventionellen Klangbildern begegnen Jazz-Standards Pop- und Disco-Motiven, Latin Grooves verbinden sich mit Improvisation – stets getragen von Energie, Spielfreude und Gestaltungswillen.

Die musikalische Leitung liegt bei Reto Giacopuzzi, dessen Percussion-Spiel in besonderer Weise prägt: filigran und differenziert, zugleich kraftvoll und pulsgebend. Auch am Klavier verbindet er Rhythmus und Harmonie zu einer eigenen Klangsprache. Sandra Bötschi erweitert das Ausdrucksspektrum des Saxofons, indem sie neben improvisatorischer Virtuosität auch Basslinien und perkussive Patterns formt. Mit Martin Gisler tritt ein Gitarrist hinzu, dessen Spiel gleichermassen harmonische Tiefe wie prägnante Akzente beisteuert. Im Zentrum schliesslich steht die Stimme von Flavia Zucca – facettenreich, wandlungsfähig und in der Lage, jedem Stück eine neue Ausdrucksdimension zu verleihen.

Reto Giacopuzzi – Percussion, Klavier
Flavia Zucca – Gesang
Sandra Bötschi – Saxophone
Martin Gisler – Gitarre

Die Reihe «St. Galler Jazzspitzen – Carte Blanche für…» wird unterstützt durch die

Florian Favre Trio

Modernes Piano-Trio zwischen Pop-Energie, Jazzraffinesse und feinen Nuancen

JAZZ | Hier trifft erzählerischer Jazz auf melodische Eingängigkeit und rhythmische Kühnheit. Klare Themen, bunte Harmonien und überraschende Wendungen werden zu Musik, die zugleich leicht, tiefgründig und voller Spielfreude ist. Zwischen lyrischen Passagen und eruptiven Ausbrüchen entsteht ein Klang, der nahbar bleibt und dennoch viel fordert – ein Trio, das den Puls der Gegenwart in feinen Nuancen auslotet.

Das Florian Favre Trio gehört zu den prägenden Klaviertrios der jüngeren Schweizer Szene. 2011 gegründet, entwickelte sich die Band mit Florian Favre am Piano, Manu Hagmann am Kontrabass und dem französischen Schlagzeuger Arthur Alard zu einem Ensemble mit klarer Handschrift und hoher stilistischer Offenheit. Die Musik bewegt sich im Spannungsfeld von Modern Jazz, Pop-Anklängen und Kammermusik, ohne je ihre Improvisationsfreiheit zu verlieren.

Favres Kompositionen sind kompakt, melodisch einprägsam und harmonisch reich. Kritiker:innen loben ihre Originalität, ihren Witz und die «bunten Harmonien und rhythmischen Feinheiten». Sein Spiel ist transparent und prägnant, gleichzeitig sensibel und explosiv – eine Ästhetik, die auf klar strukturierten Themen aufbaut, aber jederzeit neue Wege zulässt.

Spätestens mit den Alben «Ur» (2016) und «On a Smiling Gust of Wind» (2018) etablierte sich das Trio international. Die Band gewann beim B-Jazz International Contest in Leuven den Hauptpreis; zusätzlich wurde Favre als bester Solist, Hagmann als bester Bassist ausgezeichnet. Die Jury hob die Mischung aus zarten und intensiven Momenten und eine Musik hervor, die tief in der Jazztradition wurzelt und dennoch frisch und überraschend wirkt.

Live zeigt das Trio, wie eng verzahnt seine Mitglieder agieren: Der Bass gibt nicht nur Fundament, sondern formt Gegenmelodien und rhythmische Haken; das Schlagzeug reagiert mit grosser Beweglichkeit, spielt mit Dynamik und Klangfarben. Gemeinsam «tanzen sie auf einem Drahtseil» und schöpfen eine unendliche Palette an Nuancen aus – vom flüsterleisen Trio-Pianissimo bis zu kraftvollen Steigerungen. Gleichzeitig bleibt die Musik zugänglich: klare Hooks, wiedererkennbare Motive und ein erzählerischer Fluss machen sie auch für ein Publikum spannend, das nicht täglich
So entsteht ein Trio-Sound, der weder kopflastig noch gefällig ist, sondern beides verbindet: künstlerische Konsequenz und unmittelbare Wirkung.

Besetzung
Florian Favre – Piano, Synth
Manu Hagmann – Kontrabass
Arthur Alard – Schlagzeug

www.florianfavre.com

Lori Williams Band

Wenn Jazz, Soul und Gospel zu einer Stimme verschmelzen

JAZZ | Einfühlsame Balladen, groovende Linien und pure Bühnenpräsenz: Hier vereinen sich Spielfreude, Erfahrung und emotionale Tiefe. Zwischen amerikanischem Soul und europäischem Jazz entsteht ein Klangraum, der zugleich feinfühlig und kraftvoll ist – Musik, die Geschichten erzählt, ohne Pathos, aber mit viel Herz.

Line-up
Lori Williams – Gesang
Bernhard Wiesinger – Tenor-/Sopransaxophon, Flöte
Christian Havel – Gitarre
Renato Chicco – Piano
Milan Nikolic – Kontrabass
Joris Dudli – Schlagzeug

«Eine Sängerin mit grenzenloser Ausdruckskraft und Wärme.» (All About Jazz)
«Sie singt mit der emotionalen Klarheit einer Jazzstimme und der spirituellen Tiefe des Gospel.» (The Washington Post)
«Ihr Gesang ist elegant, intensiv und tiefgründig – eine Stimme, die berührt.» (DownBeat)

Wenn die charismatische Jazz-, Soul- und Gospelsängerin Lori Williams auf einige der renommiertesten europäischen Jazzmusiker trifft, entsteht ein Ensemble, das sich ganz dem Dialog von Klangfarben, Groove und Gefühl verschreibt. Die Band präsentiert ihr aktuelles Album im Rahmen mehrerer Tourneen und bringt dabei auf natürliche Weise amerikanische Soul-Tradition und europäischen Jazz-Sound zusammen.

Lori Williams, beheimatet in Washington D.C., zählt zu den gefragtesten Stimmen ihrer Szene. Ihre Laufbahn reicht vom Jazzclub über internationale Festivals bis hin zu Musicalproduktionen wie «Bessie’s Blues». Ihr Repertoire verbindet die Ausdruckskraft des Gospel mit der Improvisationskunst des Jazz. Auf der Bühne zieht sie ihr Publikum nicht durch Lautstärke, sondern durch Präsenz und emotionale Authentizität in den Bann.

Begleitet wird sie von fünf herausragenden Instrumentalisten, die alle tief in der europäischen Jazzszene verwurzelt sind. Saxofonist Bernhard Wiesinger beeindruckt durch ein fein austariertes Klanggefühl und lyrische Linienführung; Gitarrist Christian Havel steht für rhythmische Präzision und melodische Klarheit. Pianist Renato Chicco, ehemals musikalischer Leiter bei Jon Hendricks & Company, bringt harmonische Raffinesse und New-York-Erfahrung ein. Bassist Milan Nikolic sorgt mit warmem, tragendem Sound für Erdung, während Joris Dudli, bekannt aus dem Vienna Art Orchestra und dem Art Farmer Quintet, das Ensemble mit rhythmischer Eleganz und souveräner Energie verbindet.

Gemeinsam schaffen sie Musik, die gleichzeitig transparent und dicht ist: swingend, soulig, manchmal balladesk – aber immer unmittelbar. Die Arrangements geben jeder Stimme Raum und lassen doch das Ganze als Einheit wirken. Eine Begegnung zwischen Welten, die nicht gegensätzlich, sondern komplementär sind: Amerika trifft Europa, Gefühl trifft Form, Jazz trifft Leben.

Lori Williams ist Jazz- und Gospelsängerin aus Washington D.C. / USA. Sie arbeitete mit George Duke, Stanley Clarke und Slide Hampton, gastierte in Russland, Japan und Europa und ist zugleich Pädagogin und Bühnenkünstlerin .
Bernhard Wiesinger veröffentlichte in New York die Alben «Notice That Moment» (2020) und «Enlightened» (2024) und zählt zu den führenden Saxofonisten Österreichs.
Christian Havel spielte mit Karl Ratzer, Valerie Ponomarev und Ingrid Jensen und tourte als Leader seines American Quartet durch Europa.
Renato Chicco war Mitglied des Lionel Hampton Orchestra und Pianist bei Jon Hendricks & Company; heute ist er Professor an der Kunstuniversität Graz.
Milan Nikolic, ursprünglich E-Bassist aus Serbien, studierte Kontrabass in Graz und arbeitete mit Don Menza, Seamus Blake und Dusko Goykovich.
Joris Dudli war Mitglied des Vienna Art Orchestra und spielte u. a. mit Joe Lovano, Clifford Jordan und Vincent Herring, mit dem er weltweit tourte .

www.lorijazz.com

«St. Galler Jazzspitzen»: Giacopuzzi – Zucca – Bötschi – Gisler

«St. Galler Jazzspitzen» – Carte Blanche für Reto Giacopuzzi; Konzert 1: Ausbruch aus vertrauten Grenzen

JAZZ | Dieses Quartett präsentiert Jazz in einer ungewöhnlichen akustischen Form. Sein Repertoire reicht von Eigenkompositionen, klassischen Standards, über Pop-Ikonen bis hin zu Songs der 90er-Jahre – stets neu arrangiert und mit feiner jazziger Note versehen. In den unkonventionellen Klangbildern begegnen Jazz-Standards Pop- und Disco-Motiven, Latin Grooves verbinden sich mit Improvisation – stets getragen von Energie, Spielfreude und Gestaltungswillen.

Die musikalische Leitung liegt bei Reto Giacopuzzi, dessen Percussion-Spiel in besonderer Weise prägt: filigran und differenziert, zugleich kraftvoll und pulsgebend. Auch am Klavier verbindet er Rhythmus und Harmonie zu einer eigenen Klangsprache. Sandra Bötschi erweitert das Ausdrucksspektrum des Saxofons, indem sie neben improvisatorischer Virtuosität auch Basslinien und perkussive Patterns formt. Mit Martin Gisler tritt ein Gitarrist hinzu, dessen Spiel gleichermassen harmonische Tiefe wie prägnante Akzente beisteuert. Im Zentrum schliesslich steht die Stimme von Flavia Zucca – facettenreich, wandlungsfähig und in der Lage, jedem Stück eine neue Ausdrucksdimension zu verleihen.

Reto Giacopuzzi – Percussion, Klavier
Flavia Zucca – Gesang
Sandra Bötschi – Saxophone
Martin Gisler – Gitarre

Die Reihe «St. Galler Jazzspitzen – Carte Blanche für…» wird unterstützt durch die

AION Quartett

Zeit, die sich weitet: Klang, der sich im Augenblick entfaltet

JAZZ | Der Name AION kommt aus dem Griechischen, wo sich zwei Begriffe für Zeit finden: Chronos beherrscht die Zeit und misst Sekunde für Sekunde. Aion dagegen beschreibt die mit Leben gefüllte Zeit – Augenblicke können ewig dauern, Stunden können in Sekundenschnelle vorübergehen. Diese Erfahrung des gelebten Moments ist die musikalische Grundlage des AION Quartetts.

Der Name AION ist Programm für die Kompositionen von Christian Berger. Seine Musik ist durchdrungen von einnehmenden Melodien, kammermusikalisch durchgehörten Passagen, vielschichtigen Rhythmen und einer starken Ausdruckskraft, wie man sie oft in der orientalischen Musiktradition findet. Diese Emotionalität entfaltet sich ohne Pathos und wirkt unmittelbar – sie lädt die Zuhörerinnen und Zuhörer zu einer Reise ein, die sowohl nach innen führt als auch hinaus in die Welt.

Seit über zwanzig Jahren ist AION in verschiedenen Besetzungen unterwegs. Die Reise führte bis nach Kairo, Alexandria und Bangalore. Unterwegs hat sich ein Ensembleklang entwickelt, der unverwechselbar warm, farbig und groovig ist. Nichts wirkt konstruiert: Die Musik fliesst, atmet und nimmt sich Raum. Die liebevoll ins Detail arrangierten Themen sind eingängig, entwickeln sich aber im Konzert weiter. Sie werden improvisatorisch verwoben, verschoben, geöffnet. So entsteht ein Zusammenspiel, das von Vertrauen lebt und das Momenthafte feiert.

Die Arrangements überraschen immer wieder mit eigenwilliger, aber überzeugender Ästhetik. Hier wird nichts demonstriert, sondern geteilt. Musik und Publikum sitzen im selben Boot – die Zeit wird gemeinsam erlebt. Vielleicht ist es genau diese Erfahrung, die nach Konzerten oft mit Worten wie «Balsam für die Seele» oder schlicht «einfach wunderschön» beschrieben wird. Die Musik des AION Quartetts setzt nicht auf Lautstärke oder Virtuosität, sondern auf Präsenz, Wärme und innere Bewegung. Sie ist konzentriert, farbenreich und voller Herz.

Besetzung
Christian Berger – Oud, Gitarre, Komposition
Thomas Küng – Sopransaxophon, Flügelhorn
Jürg Surber – Kontrabass
Dominic Doppler – Schlagzeug

Christian Berger verbindet orientalische Musiktraditionen mit westlichen Improvisations- und Kompositionsformen. AION ist sein Langzeitprojekt und künstlerisches Forschungsfeld.
Thomas Küng gestaltet mit Saxophon und Flügelhorn klangpoetische Räume zwischen Melodie und Textur.
Jürg Surber bringt mit seinem Kontrabass klangliche Tiefe und ruhende Zentren in das Ensemble.
Dominic Doppler formt mit subtilen Patterns und feiner Klangwahl rhythmische Bewegungsräume.

https://christianberger.ch/aion/